Ethische Vermarktung und Verkauf im Web

Ethische Vermarktung und Verkauf im Web

Heute erlaube ich mir mal, mit einem anscheinend völlig irrelevanten Thema zu beginnen, um zu einem der wesentlichsten Voraussetzungen für erfolgreiches Vermarkten im Web zu kommen.

Ich weiß nicht, wie es in anderen Ländern ist; ich lebe in Österreich, also knapp am ehemaligen “Eisernen Vorhang” nach Norden und Osten hin, sodass wir vielleicht eine Art Sonderstellung in der EU einnehmen. Und vielleicht danken wir die Beobachtung, von der ich hier berichten möchte, dieser Sonderstellung.

Als einige östliche Nachbarn in die EU aufgenommen wurden, erlebten wir hier in Wien – die Stadt liegt ja auch ziemlich östlich – fast eine Invasion von Bettlern jeden Alters und beiderlei Geschlechts. Sie waren überall anzutreffen: Auf und unter den Brücken der Stadt, in Fußgängerzonen, vor Einkaufszentren, in Parks und Ruhezonen usw., einfach überall.

Nun ist öffentliches Betteln in Österreich gesetzlich verboten, und es gab diverse Festnahmen, wieder Freilassungen, erneute Festnahme usw. Doch nicht lange und die Szene änderte sich. Die typisch Mitleid stimulierenden Bettler(innen) verschwanden rasch von den Straßen.

Und plötzlich tauchten vor buchstäblich jedem Supermarkt etwas fremdländisch aussehende Leute auf, die ein Hochglanzmagazin zum Kauf feilboten. Wer aus dem Supermarkt kam, konnte nicht anders, als einer ihm entgegen gestreckten, ein Magazin haltenden Hand zu begegnen, und ein geradebrechtes “Bitteschen” zu vernehmen.

Natürlich hatte niemand Interesse an dem Magazin, wer aber doch und sich erkundigen wollte, stieß auf verständnisloses Grinsen und ein unterwürfiges “Bitteschen” hinter der fuchtelnden Hand, vielleicht auch angedeutete Kopfknickse. Viele Supermarktkunden gaben einen Euro oder einen halben, ohne die Zeitschrift zu kaufen.

Was war geschehen? Hatten die offensichtlich herab gekommenen Bettler plötzlich gelernt, wie man sich einer fremden Kultur anpasst? Oder war da eine führende Hand, ein lenkender Kopf dahinter? Wer weiß.

Eines aber scheint sicher: Wer auch immer die Verantwortung für diese Erscheinung trug, er hatte erkannt, dass in diesem Land, in dieser Kultur, ein Grundsatz gilt: Etwas nehmen für etwas im Gegenzug geben.

Flugs hatte man also ein Magazin aus dem Boden gestampft und aus Bettlern “Straßenkolporteure” (so nennt man hier zu Lande die mobilen Zeitungsverkäufer) gemacht und angemeldet, und strategisch postiert. Alles völlig legal.

Ob das Magazin insgesamt ein Geschäft ist oder nicht, weiß ich nicht, es interessiert mich auch nicht sonderlich. Was mich aber schon interessiert, ist die parallele Erscheinung im Internet:

In den Kinderjahren des Internet machte des Gerücht die Runde, es gäbe jetzt einen “gesetzesfreien Raum”, in dem alles erlaubt wäre. Es war die Zeit der Hochblüte von “Schneeballsystemen” aller Art und vollgemüllten Mailboxen.

Dem zogen nach und nach einzelnen Nationen mit (m.E. völlig unnötigen!) Gesetzen zu Felde, und im Lauf der Zeit wurde eine der großartigsten Entwicklungen der Menschheit beschnitten und beschränkt, um angeblich “die Bürger zu schützen”. Dieser Prozess geht auch heute weiter, bis buchstäblich jeder Tastenanschlag aller Bürger in staatlichen Archiven registriert ist.

Zug um Zug wurden nun von ehemaligen Schneeballsystem-Schöpfern (Motto: “Viel Geld für nichts!” – lasst uns einfach Geld neu verteilen!) “völlig neuartige wertvolle Produkte” (in abgewandelten Systemem) verkauft, um den gesetzlichen Bestimmungen der meisten Länder gerecht zu werden. Was aber waren (und sind noch immer) diese solcher Art vertriebenen innovativen Produkte?

Zuerst musste das “ebook” herhalten. Dann wurden “Webaitautomaten” geschaffen, und so weiter. Jede Menge irgend welcher alten, uninteressanten und unbrauchbaren Texte wurden mit nettem Umschlagbild zum digitalen Buch (oder mit schönen Bildern zur Homepage) und mit “überzeugenden Argumenten” als “wertvolles Produkt” zum Kauf angeboten.

Die “guten Argumente” sind immer darauf angelegt, die Vernunft des Käufers zu umgehen und immer gestützt von “Zugaben”, deren Wertangaben etwa den zehnfachen Kaufpreis des “wertvollen Produktes” ausmachen. (Oktroyierte Logik: “Wie dumm muss einer sein, um eine Ware für 25 Euro NICHT zu kaufen, zu der er 250 Euro oben drauf geschenkt bekommt?” – Da werfe ich doch glatt die 25 Euro zu Fenster hinaus, nur um mir die 250 Euro an Land zu ziehen! Ich bin doch nicht blöd, Mann!)

Ich frage mich oft und ernsthaft, ob hinter diesen Beobachtungen nicht ein und der selbe “Kopf” steckt. Mit “Kopf” meine ich aber nicht den Körperteil, der das Hirn enthält und schützt, sondern den “Geist”, der das Hirn in solchen Köpfen ticken lässt. Und ich denke, wir könnten eine Lehre aus diesen Erscheinungen ziehen:

Wenn wir im Internet ein Geschäft betreiben wollen, sollten wir eine klare Vorstellung des Wertes haben, den wir im Gegenzug für das verlangte Geld übergeben. Wenn wir jedoch einen Pseudowert anbieten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns Menschen als “verkleidete Bettler” oder “getarnte Betrüger” ansehen. Wer will schon so was sein?

Ich wünsche meinen Lesern fortwährend gute Geschäfte, treue, zufriedene Kunden und vor allem Freude und Genugtuung über die erbrachte Leistung!
Helmut

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Über admin

Als 12-jähriger Radiobastler und (damals illegaler) Amateurfunker entdeckte ich mein Faible für Elektronik, das mich über eine erfüllende Berufstätigkeit zu meiner heutigen Tätigkeit brachte. Interessiert bin ich am Leben und an der Natur, und ich liebe, es systemtechnisch zu denken und "gestörte Systeme" zu korrigieren.
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5 Antworten auf Ethische Vermarktung und Verkauf im Web

  1. Hehey Helmut,

    der helle Mut den du da versprichst und schlicht und einfach halt ich mich an dich. Deine Philosophie scheint für mich korrekt und der Fluss den ich grade in Gang bringe… ich muss irgendwie noch richtig fischen lernen, damit ich das Fischen beibringen kann.

    Was deinem Geist wohl am meisten entsprechen mag, fand ich bei Mark Ling auf Affilorama. Wenn du des Englischen bewandert bist, hör ein wenig seinen Interviews oder seinen Monologen zu – alles frank und frei.
    Er hat einen tollen Trick drauf, dass er erst Geld für fortgeschrittene Themen verlangt und dann verdient man wohl auch schon genug, dass man sich das leisten will. Ich klink mich sporadisch zu den Themen rein, weil ich ihn als echten Anker im Getöse empfinde.

    Auf alle Fälle, bevor ich dich zustuss’, einen lieben Gruss,
    Sam

    • admin sagt:

      Hey, danke Samuel!

      Dieser Deiner Kommentare war automatisch als “Spam” markiert und zurückgehalten worden … habe eben erst mal da nachgeschaut und hab ihn “entlaust”.

      Danke für den Hinweis auf Mark Ling, werde ihn bei näöchster Gelegenheit “mir geben”!
      Dir einen wundervollen Tag und eine gute Woche!
      Helmut

  2. By the way; unsere Mailingliste ist nicht gerade grösser geworden. Mal sehen, was passiert, wenn VirtaPay richtig aufdreht. Ich klick mir mal das Geld für die Ad Sharing Sache zusammen und dann mal sehen. Die sind jetzt knapp mehr als ein Jahr an der Arbeit, um fucking Systemüberdreher und gierige Leute rauszufiltern.
    Hast du ein Plan, wie das Wasser meiner Webseiten ein wenig den Fluss zu dir – also deinen Blog – findet?

    • admin sagt:

      Hallo Samuel,
      Du bist ja richtig fleißig mi dem Kommentieren! Danke. Du möchtest Verkehr in meinen Blog lenken? Setz einfach einen Text in Deine eigenen Veröffentlichungen! Wer sich interesseiert, wird dem schon folgen!
      Dir einen schönen, wundervollen Tag!
      Helmut

  3. Ay caramba, ich erschrak zugleich, als ich erkannte, hey, du schreibst ja heiter weiter! So hab’ ich meinen Post einfach ohne auf dich ein zu gehen – also jetzt mit Nachwehehn – gemacht. ;-)
    Entweder recherchierst du sehr sehr gut oder … irgendwie sind wir am Puls der Zeit und bereit etwas zu ändern, damit jeder wieder frei Fischen kann und nicht jedermann grad den Zeiger drauflegt.
    Übrigens legt… ich hatte mir lange überlegt, was die Suchmaschinen an sich sind. Blosse Glücksbringer oder eben echte Orakel, an denen tausende Menschen teilhaben, um den Menschen die Antworten zu bringen, die sie wollen.
    Zu den Bettlern denk’ ich noch – ich hab’ das in Luzern auf den Strassen erlebt – da wurde einfach ein Markt frei, noch weniger professionell, und so ein Freier-Markt-Zerschmetterer tauchte auf und wollte dies regulieren.
    Interessanterweise passierte mir das auch… nur umgekehrt; ich hab’s geschafft eine Quelle zu schaffen. Das lockte Leute auf den Plan und ebenjene Miesepeter, die mir einen Meter nachhinken. Ich denke da an Räuber und Polizei. Einer legt vor, noch ein Tor, wenn du erahnst, auf was ich heraus will. ;)
    Ach und bei dir kann ich wieder mal herrlich meine Rechtschreibekenntnisse anwenden. Ich geniesse das, wohl verstanden. ;-p

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