Berufliche Arbeit und Unternehmensklima

Wir verbringen in der Regel mehr Zeit am Arbeitsplatz, mit beruflichen Aufgaben befasst, als zu Hause und mit “lebendigen Aufgaben” befasst, wie etwa der Partnerschaft oder Familie. Ob das wünschenswert ist oder nicht, sei hier dahingestellt – für die meisten Menschen ist dies wohl eine Realität.

Unter dieser Gegebenheit halte ich deshalb die berufliche Arbeit als eine auf keinen Fall vernachlässigbare Aufgabe sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft. Wir können die berufliche Tätigkeit also als persönliche Aufgabe in der Gemeinschaft, in der wir leben, verstehen und Erfüllung in ihr finden.

Natürlich ist mir klar, dass ich damit dem Zeitgeist widerspreche und mir nicht nur Freunde mache, ja vielleicht sogar, dass manche Kreise mich belächeln und nicht ernst nehmen werden. Sei’s drum … ich nehme einfach mein Recht auf Meinungsäußerung wahr, ohne damit um Anerkennung zu buhlen.

Ich denke, dass Arbeit ein wichtiger, schöner und erfüllender Teil des individuellen Lebens sein kann, und dass wir sie so auffassen sollten. Zumindest kann ich feststellen, dass ich mein ganzes bisheriges Arbeitsleben so erfahren habe.

Wir können dadurch keinen Schaden davontragen, aber ungemein bereichert werden. Nicht das Geringste davon sollte als Aufforderung verstanden werden, der Arbeit mehr Bedeutung zu geben, als der Partnerschaft, Familie, oder der Erholung.

Ich meine, dass ein Mensch, der berufliche Arbeit ablehnt und meint, nur in der Freizeit zu wirklich leben, nur 2 Tage einer jeden Woche leben kann, und die restlichen 5 Tage der Woche darbt oder leidet – er verkürzt sein Leben um 5 Siebentel! (Mit Siebzig hat er mit dieser Vorstellung nur 20 Jahre gelebt, wenn er in unserer vorhandenen Gesellschaftform so lange existiert.)

Natürlich hat diese Münze auch eine Rückseite, nämlich die Seite der Unternehmen, in denen Menschen beruflich arbeiten. Wenn ein Unternehmen – oder seine Führung bzw. sein Management – meint, die darin arbeitenden Menschen seien Verschleißmaterial, dann beraubt diese Führung das Unternehmen seiner wichtigsten  Ressource, den freien und engagierten Menschen.

Umgekehrt vergeudet ein Mensch, der meint, hier ein Revier gefunden zu haben, das er verteidigen müsse, im Unternehmen viel mentale Energie und viel Zeit an Aktivitäten, die nur entsprechende Reaktionen provozieren und der Gemeinschaft schaden, ohne irgend jemanden wirklich zu nützen.
In der Folge werden  sich im Umfeld solcher Personen Krankheits- und Fehleranfälligkeit, Unzufriedenheit und Feindseligkeiten häufen. Das Ganze wird früher oder später zum Teufelkreis, wenn die Störquelle nicht gefunden und die “Moral” der Belegschaft wieder gestärkt wird.

Wir erhalten eine gestörte Gemeinschaft, in der dem gemeinsamen Ziel viel Energie verloren geht und große Reibungsverluste hindern. Die Ergebnisse einer solchen Gemeinschaft sind weit weniger als optimal, und sie verliert auf Dauer Kunden oder zumindest die Zufriedenheit ihrer Kunden, und stirbt einen für alle qualvollen Tod.
 
Ein Mensch, der (schon um des eigenen Glückes willen) Erfüllung in seiner beruflichen Tätigkeit sucht, sollte also besser ein Unternehmen suchen, dessen Ziele und Aufgaben klar erklärt sind, so dass er sich damit identifizieren kann. Nur so kann man sich mit Überzeugung dafür einsetzen und begeistern. 

Er wird aus eigenen Stücken sein ganzes Können einbringen wollen und nicht nur für sich selbst Befriedigung finden, sondern auch für sein Umfeld mitreißend wirken und den gemeinsamen Erfolg fördern.

Die eigene Einstellung und Motivation ist auch eine Grundvoraussetzung für ein Arbeitsklima der individuellen Freiheit, welche für die tiefe und wahre Zufriedenheit über den eigenen Einsatz unbedingt erforderlich ist. Jede Form von Zwang, und sei er auch nur individuell empfunden, wirkt ihr entgegen.

Daher spielt die Orientierung der eigenen Teilaufgaben an der Gesamtaufgabe des Unternehmens eine tragende Rolle. Fehlt sie, dann entsteht ein Durcheinander von Kräftewirkungen, die sie sich gegenseitig teils mindern, teils ablenken und teils auslöschen oder gar in die Gegenrichtung wirken. Die individuelle Freiheit geht zumindest in der individuellen Wahrnehmung verloren.

Alle Kräfte sollten in die eine Richtung wirken, die durch die Ziele und Aufgaben des Unternehmens vorgegeben ist, mit denen man sicht identifiziert.  Genaue Kenntnis der eigenen Aufgaben im Unternehmen, ihr Verständnis und Wissen über ihren Anteil am Gesamtergebnis ist also für jeden Mitwirkenden von großer Bedeutung.

Auch hier sollten wir uns am großen Vorbild Natur orientieren: Die Milliarden von Zellen eines Organismus wirken im gesunden lebend Körper optimal zusammen und bringen gemeinsam Langlebigkeit und Produktivität hervor, weil in jeder einzelnen Zelle der “Bauplan des Ganzen” – also “das Gesamtergebnis” enthalten ist.

Damit der arbeitende Mensch gesund bleibt, ist es genau so wichtig, die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen und richtig einzusetzen, wie es für das gesunde Unternehmen wichtig ist, durch entsprechende Organisationsstruktur, Information, Instruktion und Führung für ein gesundes und produktives Betriebsklima zu sorgen.

Für Gesundheit und psychische Balance ist Anerkennung nötig, aber als Ziel des Einsatzes ebenso wenig geeignet, wie der finanzielle Erfolg. Die Anerkennung am Arbeitsplatz wächst für den Einzelnen aus seinem Beitrag am gemeinsamen Erfolg. Psychische Ausgeglichenheit und finanzieller Erfolg sind ein logisches Ergebnis des entsprechenden Einsatzes.

Zu wissen, dass man für eine Gemeinschaft wichtig und nützlich ist, wirkt sich förderlich auf Gesundheit und Lebenserwartung aus. Kommt man sich unnütz und überflüssig vor, läuft man Gefahr zu erkranken und früh zu sterben. Wer in einer Gemeinschaft eine befriedigende und nützliche Aufgabe erfüllen kann, zu der er sich “berufen” fühlt und für die er in Freiheit agieren kann, erfährt bedeutenden Gewinn für sein Leben und Erleben.

Ich denke, dass man aus dieser meiner “Unternehmensphilosophie” in Verbindung mit dem erklärten Ziel der “neuen Marktvision” leicht erkennt, dass es sehr lohnend sein kann, sich für diese Idee zu engagieren und vielleicht sogar eine Aufgabe im Gesamtprojekt zu übernehmen.
 
Natürlich existiert kein Unternehmen “Neue Marktversion”, sondern nur die Idee einer solchen.

Diese Idee zu verwirklichen wird aber einer Gemeinschaft  bedürfen, welche die hier geschilderten Werte kennt, anerkennt und lebt. Von meiner Seite ist die Gewähr vorhanden, dass dies die “Grundregeln” einer jeden gemeinschaftlichen Zusammenarbeit sind, auf die sich jeder Mitwirkende verlassen kann.

Copyright © 2011, Helmut W. Karl (Impressum)

Be Sociable, Share!

Über admin

Als 12-jähriger Radiobastler und (damals illegaler) Amateurfunker entdeckte ich mein Faible für Elektronik, das mich über eine erfüllende Berufstätigkeit zu meiner heutigen Tätigkeit brachte. Interessiert bin ich am Leben und an der Natur, und ich liebe, es systemtechnisch zu denken und "gestörte Systeme" zu korrigieren.
Dieser Beitrag wurde unter Betrifft: Marktvision veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>